sonnenuntergang

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Freitag, 3. Juni 2011

Malaria

Ende Mai hat es mich dann auch erwischt und ich lag mit Malaria flach. In meiner letzten Unterrichtsstunde am Montag konnte ich nicht mehr stehen, weil mir meine Beine so weh taten und ich hatte trotz ca 30° Außentemperatur totale Gänsehaut. Ich bin dann also so schnell es ging nach Hause, habe Fieber gemessen (40°), mich hingelegt und mit 3 Decken zugedeckt.
Verena ist dann zum Krankenhaus gegangen (ich hätte den Weg bis dahin glaube ich nicht geschafft) und hat mir, als sie wiederkam, Blut abgenommen. Damit ist sie dann wieder rüber ins Krankenhaus gestiefelt, hat im Labor das Blut untersuchen lassen und ist anschließend zum Arzt gegangen. Als Verena dann wieder hier war, erzählte sie mir, dass ich Malaria (tropica – die wohl schlimmste Form) habe und zwar fast 2+ (Es fängt an mit 1+, was noch nicht ganz so gefährlich ist, und geht dann weiter bis 4+), was aber für uns Azungus (weiße) schon eher wie 3+ oder 4+ bei den Malawiern wäre.
Der Arzt wollte eigentlich, dass ich ins Krankenhaus gehe und auch da bleibe und er wollte mich an einen Tropf hängen. Aber da ich mich hier viel wohler fühle als im Krankenhaus (es gibt dort nämlich keine getrennten Zimmer, sondern nur einen großen Raum für alle Frauen) konnte ich ihn davon überzeugen, hier zu bleiben.
Seit Montag nehme ich jetzt 3 mal täglich Medizin – jeweils 2 Tabletten Aspirin und 2 Tabletten Quinine (ein Anit-Malaria-Mittel,was allerdings nicht ganz ohne ist).
Durch das Quinine werden meine Ohren langsam taub und ich fühle mich, als würde mein Kopf explodieren.
Am schlimmsten sind jedoch die Nächte. Entweder habe ich totale Schüttelfrost, so dass ich am ganzen Körper richtig zitter und mit 4 Decken immer noch friere, oder aber ich schwitze wie sonst was und würde am liebsten kalt duschen (das Problem ist nur, dass ich nicht aufstehen kann). Ich bin eigentlich ständig nassgeschwitzt und fühle mich richtig ekelig.
Ich muss jetzt noch bis Sonntag meine Medizin durchnehmen, und dann sollte es mir langsam besser gehen.
Heute war die erste Nacht, in der ich wirklich mal einigermaßen gut geschlafen habe. Zwar war am nächsten Morgen mein Bett total nass und ich hatte das Gefühl, dass alles klebt an meinem Körper, aber immerhin war ich nicht bis 4 Uhr nachts wach um dann nur für 2 Stunden zu schlafen.
Tagsüber ist mein Zustand immer sehr wechselhaft. Dienstag ging es mir sogar eigentlich ganz gut, aber bereits am nächsten Tag hatte ich wieder einmal Schüttelfrost-Attacken und mir war einfach nur schlecht.
Wenn ich mit Mama telefoniere oder aber die Schwester vorbeikommen um nach mir zu sehen, müssen sie schon fast schreien, damit ich überhaupt etwas verstehe. Quinine ist wirklich nicht ohne, aber so lange man es bis zum Ende durchnimmt, soll es dafür sorgen, dass die Malaria nicht zurückkommt!

Donnerstag, 26. Mai 2011

Mein Tagesablauf

Mein Tag beginnt eigentlich spätestens um 6 Uhr (und das auch am Wochenende). Nachdem um 5, halb 6 und 6 Uhr die Glocken geläutet haben (die sich ja wie schon erwähnt, direkt gegenüber von unserem Haus befinden), hat man keinerlei Geduld mehr sich nochmal umzudrehen um für ein paar Minütchen zu schlafen.
Anschließend frühstücke ich und gehe dann Richtung Schule (um kurz nach 7 ist meistens die Assembly) oder aber Sonntags auch Richtung Kirche. Danach ist kurze Versammlung im Lehrerzimmer, man begrüßt alle und spricht kurz darüber, wie man geschlafen hat und was man am heutigen Tag so vor hat. Anschließend beginnt der ganz normale Schulalltag. Mittlerweile unterrichte ich bis zu 4 Stunden am Tag und zwischendurch male ich oft Plakate für meine Kollegen (weil sie von allem, sei es nur ein Strichmännchen, total fasziniert sind), korrigiere Tests, unterhalte mich mit einigen Lehrern - besonders gerne über die kulturellen Unterschiede - oder schreibe etwas für unsere Direktorin am PC (ich bin nämlich der absolute Computer-Fachmann hier).
Spätestens um 13.40 Uhr (nach Ende der letzten Stunde) bin ich dann zu Hause, esse Mittag und genieße meine Mittagspause.
Um 15.00 Uhr geht es dann weiter zum Internat, um verschiedenste Freizeitaktivitäten mit den Kindern durchzuführen. Das ganze geht dann bis ca. 17.00 Uhr / 17.30 Uhr und ich komme pünktlich, kurz vor dem „dunkel werden“ zu Hause an. Den Abend kriegt man mittlerweile auch ganz gut rum. Während man anfangs noch nach Aktivitäten und Beschäftigungen suchen musste, gibt es momentan so viel zu erledigen (sei es Schreibkram für die Schwestern, der noch erledigt werden muss, Stundenvorbereitungen, Berichte / Emails schreiben, duschen oder auch einfach mal einen Film gucken / ein Buch lesen und entspannen...).
Spätestens um 22.00 Uhr (was mir oft wie Mitten in der Nacht vorkommt, da es ja ab 18.00 Uhr stockdunkel ist) liege ich dann total erschöpft im Bett und versuche bei „Hundegejaule“ einzuschlafen.
An den Wochenende steht dann meist Waesche waschen, putzen, Freunde besuchen oder kleine Ausfluege auf dem Programm. Und ca 2 mal im Monat geht es nach Mchinji – dem naechstgroesseren Distrikt (in dem uebrigens Madonna ihr Kind adoptiert hat), um mal wieder einzukaufen, dennSachen wieErdnussbutter, Marmelade, Brot, Milch etc. gibt es leider auf unserem kleinen Markt in Ludzi kaum.

Sonntag, 22. Mai 2011

Infos

Infos aus malawischer Literatur und von „Fachleuten“

Musik und Tanz

Auch heute noch sind traditionelle Tänze sehr lebendig im kulturellen Leben enthalten und aufgrund der Völkervielfalt und den unterschiedlichen Stämmen sehr zahlreich und verschieden. Musik und Tanz haben in ganz Afrika eine besondere Bedeutungen und gehören zum Leben wie Essen und Trinken auch. Oft dienen sie religiösen und profanen Zwecken, sind Lebenselixier oder Ausdruck ungebändigter Vitalität. Den meisten Tänzen liegen jedoch spirituelle Motive zugrunde, wie beispielsweise das Hoffen auf Regen, der Dank für eine gute Ernte, die Zurschaustellung militärischer Stärke oder aber das Abwenden eines Unheils. Ein spiritueller Kontakt zu den Ahnen soll durch diese Tänze hergestellt werden und viele Tänzer fallen durch den eindringlichen Klang der Trommeln anscheinend sogar in Trance.
In Malawi selbst gibt es zahlreiche Tänze doch der berühmteste Tanz ist der Gule Wamkulu-Tanz. Er zählt aufgrund von Holzmasken und fantasievollen Kostümen aus Federschmuck und viel Bemalung zum Höhepunkt eines Festes. Scheinbar dürfen nur Mitglieder des strengen „Nyau-Geheimbundes“ diesen Tanz offiziell tanzen. Die häufigsten Themen sind die Macht und Kraft der Geister und des Medizinmannes.
Bei den kriegerischem Stamm der Yao im Süden Malawis dominieren Tänze, die an die Militärmärsche aus alten Kolonialtagen erinnern. Die Tänze drücken mit Hilfe von Trillerpfeife und Uniformen den militärischen Drill aus. Der beliebteste Yao-Tanz ist der Beni, der übrigens wie alle Kriegstänze ein Männertanz ist.
Auch der Stamm der Ngoni hat seinen ganz eigenen Tanz: Ingoma.
Es ist ein besonders wilder und ausdrucksstarker Tanz und früher wurden diese Tänze oft nach erfolgreicher Jagd und Kriegszügen dargeboten. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Tänze, doch dies sind die bekanntesten und die Tänze, deren Hintergrund ich teilweise in Erfahrung bringen konnte.
Das wichtigste Musikinstrument in Malawi ist wohl die Trommel. Früher war es ein Machtsymbol der Könige und Häuptlinge und heute haben die Trommeln eine besondere, fast religiöse Bedeutung. Meistens werden die selbst gebauten Trommeln vor Fremden nicht gezeigt, keinesfalls verkauft und nur sonntags in der Kirche oder auf Festen verwendet.


Hochzeit

Wenn ein junger Mann ein Mädchen heiraten möchte, muss er zuerst seine Großeltern um Erlaubnis bitten. Diese werden sich dann zunächst erkundigen, ob die Familie der Braut einen ordentlichen Ruf hat. (Den gleichen Weg muss auch das Mädchen gehen.)
Wenn einer der beiden Seiten die Heirat ablehnt, müssen die jungen Leute ihren Heiratswunsch aufgeben. Sind die Familien allerdings einverstanden, so wird ein Brautpreis (Lobola) ausgehandelt, der den Brauteltern ausgezahlt wird. Dabei kann es sich je nach Region um eine Kuh, Ziegen, Hühner, Mais oder auch Geld handeln. Die Brautleute dürfen sich von diesem Augenblick an nicht mehr sehen. Beide Familien treffen nun große Vorbereitungen für die Hochzeit. Es wird beispielsweise auf Vorrat gekocht und eine Menge Bier (aus Maismehl) selbst gebraut. Dann erhalten die beiden an mehreren Abenden eine Art Eheeinweisung von einem älteren Mann oder einer der älteren Frauen aus dem Dorf, die beide nicht mit den Brautleuten verwandt sein dürfen. Während des anschließenden großen Hochzeitsfestes sind jener Mann und jene Frau die Ehrenpersonen.
Ich weiß nicht, ob jede Hochzeit in diesem Stil und mit diesen Ritualen abgehalten wird, aber in den Dörfern sind diese Traditionen durchaus noch stark verankert.
Gerüchten zufolge muss der Onkel des Bräutigams vor der Hochzeit die zukünftige Braut erst „auschecken“ und Geschlechtsverkehr mit ihr ausüben, um zu sehen, ob die Braut „reif“ und gut genug für den Bräutigam ist.

Gesundheitswesen:
In Malawi liegt die durchschnittliche Lebenserwartung lediglich bei 43 Jahren. In einem Alter von über 40 Jahren wird man dadurch öfters auch schon mal als „Agogo“ (Alter Mann / Alte Frau) angesprochen. Auf ca. 50 000 Einwohner kommt ein Arzt und einen Zahnarzt gibt es pro 450 000 Einwohner (jedoch sind Fachärzte immer nur in größeren Städten stationiert).
Dies zeigt deutlich die medizinische Unterversorgung Malawis. Zu den häufigsten Krankheiten zählen Malaria, Bilharziose (entlang des Malawisees gilt die Bevölkerung als infiziert), Aids sowie Mangelerscheinungen durch einseitige und unregelmäßige Ernährung. Bereits seit 2004 meldet Malawi jährlich mehr als 80 000 Aids-Tote.

Die Rolle des Chiefs

Jedes Volk in Malawi hat mehrere Chiefs, die über verschiedene Regionen regieren. Ein Chief ist weit mehr als ein Dorfvorsteher, aber doch weniger als ein König. Seinem Volk gegenüber strahlt er eine größere Macht aus als die Landesregierung und genießt dadurch enormen Respekt und Verehrung innerhalb seines Volkes. Er kann allerdings auch abgewählt werden, wenn seine Beschlüsse zu ungerecht werden. Im Grunde ist der Chief eine Art „Schiedsrichter“ für alle Alltagsprobleme und gemeinschaftlichen Entscheidungen. Er ist Hüter von Gesetz, Ordnung und Moral. Im Prinzip wird alles im Dorf vom Chief geregelt und dann bedingungslos akzeptiert. Damit ein Chief richtige und faire Entscheidungen trifft, lässt er sich hierbei oft von dem Dorfältesten oder gebildeten Männern aus dem Dorf helfen.

Ende Februar & Anfang Maerz

Geburtstag des Präsidenten

Ende Februar wurden wir relativ spontan zu der Geburtstagsfeier des malawischen Präsidenten „eingeladen“. Früh morgens um halb 6 ging es gemeinsam mit einer Schwester los in Richtung Lilongwe und gegen 8 Uhr erreichten wir dann das Stadion der Hauptstadt, in dem der 77. Geburtstag des Präsidenten Dr. Bingu Muthalika zu einem riesigen Festival umgewandelt wurde.
Die Feier begann mit einem riesigen Einzug von Musikkapellen und unzähligen marschierenden Soldaten. Zur Eröffnung wurde dann natürlich die malawische Nationalhymne gespielt und gesungen und anschließend gab es ein bunten Programm bestehend aus Festreden, traditionellen Tänzen und Gesängen, kleinen Theaterstücken und Gedichtsvorträgen. Ein Mann ist beispielsweise in traditioneller Verkleidung mit Holzmaske und Federkostüm einen Baumstamm, der zuvor einfach nur in ein gegrabenes Loch in der Erde gesteckt wurde, hoch geklettert, hat sich oben mit dem Bauch auf die Spitze des Stammes gelegt und ist anschließend kopfüber wieder hinunter geklettert.
Am Ende der Feier wurden noch Netball und Fußball von Amateurmannschaften (z.B. Parlament gegen Presse) gespielt und es gab noch ein „Wettrennen“ der Parlamentsmitglieder, die bereits über 70 Jahre sind!
Am beeindruckendsten war für mich allerdings zu sehen, wie die Soldaten und Musikkapellen zum Radetzkymarsch durchs Stadion marschierten.
Unser Geschenk bestand aus einem bunt geschmücktem Korb mit lauter Luftballons, gefüllt mit Pilzen und Eiern. Wir waren nämlich stellvertretend für einige Frauen eines „Pilzprojektes“ auf dem Geburtstag, was dieses doch etwas andere Geschenk erklärt.
Insgesamt sah das Geschenk eher aus wie ein Kindergeburtstagsgeschenk, war hier in Malawi jedoch ein echter Hingucker.
Wenn man sich jetzt vorstellt, dass man gemeinsam mit Angela Merkel ihren Geburtstag feiert und ihr einen Korb mit Eiern und Pilzen überreicht, klingt das doch etwas lächerlich, aber hier in Malawi ist so etwas wohl normal.


Kachebere

Priesterschülereinkleidung

Anfang März folgte dann direkt das nächste große Ereignis in Kachebere, ein kleiner Ort an der sambischen Grenze, in dem ein Seminar (eine Schule für ca. 75 Priesterschüler), zwei Konvente und eine Secondary School sind. Bei diesem Fest wurden die 15 neuen Priesterschüler in einer feierlichen Messe eingekleidet und anschließend gefeiert. (Der Bischof klagte in seiner Rede etwas darüber, dass es in ganz Malawi nur so wenige Priesterschüler gibt, vergleicht man das jetzt mal mit Deutschland....)
Die Feier begann morgens mit einem 3 stündigen Gottesdienst, in dem viel gesungen und getanzt wurde. Danach war es dann auch schon Zeit für das Mittagessen, das in einem riesigen Speisesaal gemeinsam mit allen Priesterschülern und Gästen eingenommen wurde. Im Anschluss daran, gab es ein Sportprogramm (Fußball, Basketball, Volleyball) und dann gab es wieder einmal Essen. =)
Abends gab es dann noch einen „Social Evening“. Das bedeutet, dass sich wieder einmal alle Gäste in einem Raum treffen und ein buntes Programm aus Tänzen, musikalischen Vorträgen, Theaterstücken und Sketchen dargeboten wird. Es war ein langes Programm (wir waren erst nach Mitternacht wieder zuhause, was für malawische Verhältnisse tatsächlich ziemlich spät ist, da an sonst ab halb 7 – wenn es dunkel ist – eigentlich nicht mehr raus gehen soll..), das obwohl es größtenteils in Chichewa war, sehr lustig und interessant war. Am Ende rundete der „Gule Wamkulu“ - Tanz (mit wirklich verrückten Kostümen) den feierlichen Tag ab und alle fuhren wieder nach Hause (Hund überfahren!)

Sonntag, 20. Februar 2011

Die Kultur Malawis - und was sonst noch zum Alltag dazu gehört

Die malawische Kultur ist generell sehr „anders“ als unsere deutsche Kultur. Händchen – haltende Männer, die man oft auf der Straße trifft, sind nicht ineinander verliebt, sondern nur ganz normal befreundet. Besonders in den ersten Monaten habe ich immer zwei oder dreimal hingeguckt, weil der Anblick für mich dann doch etwas ungewohnt war. Mittlerweile gehört es genauso wie viele andere kulturelle Gewohnheit dazu. Auch die Tatsache, dass ich trotz meines für malawische Verhältnisse hohen Alters immer noch nicht verheiratet bin und keine Kinder habe, können viele Malawier nicht verstehen und nachvollziehen. Hier ist es für Frauen üblich, mit circa 16 Jahren zu heiraten und mit 20 Jahren schon mindestens zwei Kinder zu haben. Durch mein immer noch Single-Dasein passe ich also nicht wirklich in ihr kulturelles Frauenbild und sorge immer wieder für neues Staunen.
Generell wird hier in Malawi vielmehr Wert auf Traditionen gelegt, was mir jeden Tag aufs Neue auffällt, denn man geht nicht einfach wortlos aneinander vorbei, ganz egal, ob ich die andere Person kenne oder nicht. Stattdessen bleibt man meistens kurz stehen – was sehr zeitintensiv sein kann – und erkundigt sich zumindest nach dem Befinden des Gegenübers. Die Gespräche bleiben allerdings nicht immer auf diese Fragen beschränkt, sondern können durchaus auch schon mal recht persönlich werden. Wird im Gespräch deutlich, dass man zum Markt geht oder aber gerade vom Markt kommt, muss man oft den Einkaufszettel oder das Eingekaufte vorstellen und begründen. Hierdurch können die Gespräche (natürlich auf Chichewa) oft auch sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, was eine perfekte Überleitung zum malawischen Zeitverständnis darstellt. =)
Die Uhren – falls überhaupt vorhanden – ticken definitiv anders! Hiermit ist nicht die momentane Zeitumstellung zu Deutschland gemeint. Der Arbeitsalltag eines Malawiers richtet sich nach der Sonne und beginnt meistens morgens um 4 Uhr mit der Arbeit auf dem Feld (ansonsten wird halt geputzt)! So kommt es auch schon einmal des öfteren vor, dass morgens gegen 5 oder halb 6 jemand an unserer Haustür klopft und dann doch eher verwundert dreinschaut, weil ich gerade erst aus dem Bett komme. Dafür ist hier der Tag gegen 6 oder spätestens 7 Uhr eigentlich zu Ende (dann ist es bereits stockdunkel) und die Malawier befinden sich nur noch in ihren Häusern, um dann auch schon bald ins Bett zu gehen. Ein Anruf um 20.00 Uhr könnte sie durchaus wecken! Tagsüber werden vereinbarte Termine zu bestimmten Uhrzeiten nicht ganz so streng gesehen wie in Deutschland. Das liegt oft daran, dass Malawier andere Prioritäten setzen.
Man lässt sich oft ein wenig mehr Zeit für Gespräche und kommt dann dafür 10 (oder mehr) Minuten zu spät zur Arbeit ! Es wird also in Malawi (dem warmen Herzen Afrikas) viel mehr Wert auf die Gemeinschaft und zwischenmenschliche Beziehungen gelegt, als auf einen strengen Terminplan, der unbedingt eingehalten werden muss.
Insgesamt erscheinen mir die meisten Malawier sehr geduldig und lassen sich selten aus der Ruhe bringen. Mit deutschem Organisationstalent kann man hier nichts anfangen. Stattdessen stehen Improvisation und Spontanität an der Tagesordnung – außer bei besonderen Feiern. Hier gibt es oft ein festgelegte Programm bestehend aus Reden, einer Vorstellungsrunde, fest eingeplante Zeit zum tanzen, gemeinsames Essen und Trinken, Austausch von Witzen und lustigen Geschichten und einer abschließenden Geschenkübergabe (natürlich auf malawische Art: Das Geschenk wird tanzend, nach zweimaligem „Antäuschen“ übergeben).
Nebenbei gibt es noch das Phänomen namens „Resten“ (ausruhen) – um das einfache Dasein in vollen Zügen genießen zu können. Besonders in den Dörfern leben die Menschen nicht, um zu arbeiten, sondern arbeiten eher, um zu leben. Statt einer festen Arbeit im Büro, konzentrieren sich Malawier auf ihr - wenn auch einfaches - Leben und scheinen damit mehr als zufrieden zu sein.
Die familiären Beziehungen sind ebenfalls sehr unterschiedlich zu denen in deutschen Familien. Zwar ist der Mann das Oberhaupt der Familie, doch meistens kümmert sich die Frau um das Kind – bzw. um die Kinder, denn viele Familien haben 7 bis 10 Kinder. Die Babys und Kinder werden übrigens nicht wie bei uns in Buggy oder Kinderwagen durch die Weltgeschichte gefahren, sondern immer eingewickelt im einem 2-Meter Stoff (Chitenje) auf dem Rücken getragen (selbst beim kochen, tanzen oder arbeiten). Dies erweist sich oft als ziemlich praktisch, da man auf diese Art schnell das Kind nach vorne „heben“ kann, um es zu stillen – natürlich in aller Öffentlichkeit!
„Knie zeigen“ ist in Malawi sehr verpönt und wird oft mit Prostitution in Verbindung gebracht. Deswegen sollten die Röcke lang genug sein, um sämtlichen Tratsch, der hier immer wieder gerne ausgetauscht wird, zu vermeiden. Ausschnitt scheint jedoch egal zu sein.
Genauso scheint es meistens egal zu sein, ob Kinder öffentliche Toiletten oder doch den Straßenrand für ihre großen und kleinen Geschäfte nutzen. Hygiene wird im Allgemeinen schon beachtet, allerdings stehen den Malawiern nicht die selben Mittel zur Verfügung wie uns Deutschen. Es gibt beispielsweise auf den vorhandenen „Plumpsklos“ keine Waschbecken und auch der afrikanische Staub erschwert, trotz des täglichen Putzens, das Leben in Sauberkeit.
Die vielen Unterschiede der Kulturen bringen Unmengen an neuen und interessanten Erfahrungen mit sich und werden mein Leben sicherlich bereichern. Im August könnt ihr dann selbst sehen, inwieweit ich mich den malawischen kulturellen Gegebenheiten und vor allem dem afrikanischen Zeitverständnis angepasst habe =)