Infos aus malawischer Literatur und von „Fachleuten“
Musik und Tanz
Auch heute noch sind traditionelle Tänze sehr lebendig im kulturellen Leben enthalten und aufgrund der Völkervielfalt und den unterschiedlichen Stämmen sehr zahlreich und verschieden. Musik und Tanz haben in ganz Afrika eine besondere Bedeutungen und gehören zum Leben wie Essen und Trinken auch. Oft dienen sie religiösen und profanen Zwecken, sind Lebenselixier oder Ausdruck ungebändigter Vitalität. Den meisten Tänzen liegen jedoch spirituelle Motive zugrunde, wie beispielsweise das Hoffen auf Regen, der Dank für eine gute Ernte, die Zurschaustellung militärischer Stärke oder aber das Abwenden eines Unheils. Ein spiritueller Kontakt zu den Ahnen soll durch diese Tänze hergestellt werden und viele Tänzer fallen durch den eindringlichen Klang der Trommeln anscheinend sogar in Trance.
In Malawi selbst gibt es zahlreiche Tänze doch der berühmteste Tanz ist der Gule Wamkulu-Tanz. Er zählt aufgrund von Holzmasken und fantasievollen Kostümen aus Federschmuck und viel Bemalung zum Höhepunkt eines Festes. Scheinbar dürfen nur Mitglieder des strengen „Nyau-Geheimbundes“ diesen Tanz offiziell tanzen. Die häufigsten Themen sind die Macht und Kraft der Geister und des Medizinmannes.
Bei den kriegerischem Stamm der Yao im Süden Malawis dominieren Tänze, die an die Militärmärsche aus alten Kolonialtagen erinnern. Die Tänze drücken mit Hilfe von Trillerpfeife und Uniformen den militärischen Drill aus. Der beliebteste Yao-Tanz ist der Beni, der übrigens wie alle Kriegstänze ein Männertanz ist.
Auch der Stamm der Ngoni hat seinen ganz eigenen Tanz: Ingoma.
Es ist ein besonders wilder und ausdrucksstarker Tanz und früher wurden diese Tänze oft nach erfolgreicher Jagd und Kriegszügen dargeboten. Natürlich gibt es noch zahlreiche weitere Tänze, doch dies sind die bekanntesten und die Tänze, deren Hintergrund ich teilweise in Erfahrung bringen konnte.
Das wichtigste Musikinstrument in Malawi ist wohl die Trommel. Früher war es ein Machtsymbol der Könige und Häuptlinge und heute haben die Trommeln eine besondere, fast religiöse Bedeutung. Meistens werden die selbst gebauten Trommeln vor Fremden nicht gezeigt, keinesfalls verkauft und nur sonntags in der Kirche oder auf Festen verwendet.
Hochzeit
Wenn ein junger Mann ein Mädchen heiraten möchte, muss er zuerst seine Großeltern um Erlaubnis bitten. Diese werden sich dann zunächst erkundigen, ob die Familie der Braut einen ordentlichen Ruf hat. (Den gleichen Weg muss auch das Mädchen gehen.)
Wenn einer der beiden Seiten die Heirat ablehnt, müssen die jungen Leute ihren Heiratswunsch aufgeben. Sind die Familien allerdings einverstanden, so wird ein Brautpreis (Lobola) ausgehandelt, der den Brauteltern ausgezahlt wird. Dabei kann es sich je nach Region um eine Kuh, Ziegen, Hühner, Mais oder auch Geld handeln. Die Brautleute dürfen sich von diesem Augenblick an nicht mehr sehen. Beide Familien treffen nun große Vorbereitungen für die Hochzeit. Es wird beispielsweise auf Vorrat gekocht und eine Menge Bier (aus Maismehl) selbst gebraut. Dann erhalten die beiden an mehreren Abenden eine Art Eheeinweisung von einem älteren Mann oder einer der älteren Frauen aus dem Dorf, die beide nicht mit den Brautleuten verwandt sein dürfen. Während des anschließenden großen Hochzeitsfestes sind jener Mann und jene Frau die Ehrenpersonen.
Ich weiß nicht, ob jede Hochzeit in diesem Stil und mit diesen Ritualen abgehalten wird, aber in den Dörfern sind diese Traditionen durchaus noch stark verankert.
Gerüchten zufolge muss der Onkel des Bräutigams vor der Hochzeit die zukünftige Braut erst „auschecken“ und Geschlechtsverkehr mit ihr ausüben, um zu sehen, ob die Braut „reif“ und gut genug für den Bräutigam ist.
Gesundheitswesen:
In Malawi liegt die durchschnittliche Lebenserwartung lediglich bei 43 Jahren. In einem Alter von über 40 Jahren wird man dadurch öfters auch schon mal als „Agogo“ (Alter Mann / Alte Frau) angesprochen. Auf ca. 50 000 Einwohner kommt ein Arzt und einen Zahnarzt gibt es pro 450 000 Einwohner (jedoch sind Fachärzte immer nur in größeren Städten stationiert).
Dies zeigt deutlich die medizinische Unterversorgung Malawis. Zu den häufigsten Krankheiten zählen Malaria, Bilharziose (entlang des Malawisees gilt die Bevölkerung als infiziert), Aids sowie Mangelerscheinungen durch einseitige und unregelmäßige Ernährung. Bereits seit 2004 meldet Malawi jährlich mehr als 80 000 Aids-Tote.
Die Rolle des Chiefs
Jedes Volk in Malawi hat mehrere Chiefs, die über verschiedene Regionen regieren. Ein Chief ist weit mehr als ein Dorfvorsteher, aber doch weniger als ein König. Seinem Volk gegenüber strahlt er eine größere Macht aus als die Landesregierung und genießt dadurch enormen Respekt und Verehrung innerhalb seines Volkes. Er kann allerdings auch abgewählt werden, wenn seine Beschlüsse zu ungerecht werden. Im Grunde ist der Chief eine Art „Schiedsrichter“ für alle Alltagsprobleme und gemeinschaftlichen Entscheidungen. Er ist Hüter von Gesetz, Ordnung und Moral. Im Prinzip wird alles im Dorf vom Chief geregelt und dann bedingungslos akzeptiert. Damit ein Chief richtige und faire Entscheidungen trifft, lässt er sich hierbei oft von dem Dorfältesten oder gebildeten Männern aus dem Dorf helfen.
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